Segeln statt Kreuzfahrten für eine bessere Umweltbilanz

Wir Segler lieben das Wasser! Daher ist es umso wichtiger dieses zu schützen. Erstaunliche 70% der gesamten Erdoberfläche bestehen aus Wasser und viele Menschen fühlen sich zum Wasser hingezogen und möchten auch ihre Freizeit auf dem Meer verbringen. Jedoch hat der Mensch zunehmend auch negativen Einfluss auf die Umwelt und die Weltmeere.

Kreuzfahrtschiff © stefan_weis / Fotolia.com

Umweltbilanz: Kreuzfahrtschiffe

Vor allem Kreuzfahrtschiffe machen immer wieder negative Schlagzeilen, wenn es um ihren Umwelteinfluss geht. Derzeit gibt es laut dem NABU (Naturschutzbund) eine Weltflotte von circa 90.000 Schiffen (Stand 2007). Diese verbrennen rund 20 Millionen Tonnen Schwefeloxid pro Jahr in Form von 370 Millionen Tonnen Treibstoff. Im Vergleich ist dies der 97-fache Schwefelausstoß der kommerziellen Flugzeugflotte. Im Jahre 2007 soll der globale Schiffsverkehr insgesamt für 2,7 % des gesamten menschlichen CO2 Ausstoßes verantwortlich gewesen sein.

Ein Hauptproblem für diesen hohen Ausstoß an Schadstoffen ist, dass in der Schifffahrt immer noch hochgiftiges Schweröl als Treibstoff verbrannt wird. Die giftigen Abgase der Schiffe setzen sich als Rußpartikel in der Lunge fest und können zu Krebs oder Herzinfarkten führen. Vor allem Schiffsarbeiter, Bewohner von Hafenstädten und natürlich die Kreuzfahrttouristen selbst sind so den Schadstoffen direkt ausgesetzt.

Der NABU hat in seinem Kreuzfahrt Check im Jahre 2013 herausgefunden, dass 17 von 20 Schiffen über keinerlei Abgasereinigung verfügen. Ein modernes Kreuzfahrtschiff stößt lau NABU jeden Tag 450 kg Rußpartikel, 5250 kg Stickoxide und weitere 7500 kg Schwefeldioxide aus. Dies entspricht zum Vergleich in etwa den Abgasen von rund 120 Millionen modernen Autos.

Dies ist vor allem dann erschreckend, wenn man bedenkt, dass es bereits entsprechende Technologien gibt, um dies zu verhindern. Hinzu kommt, dass die Technologien im Vergleich zu den gesamten Kosten von Schiffsneubauten nur 0,2 % ausmachen würden. Selbst die Kreuzfahrtschiffe die einen Stickstoffkatalysator eingebaut haben, vermissen oft einen Rußpartikelfilter. Der Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff ist aus gesundheitlicher Sicht daher zum Teil alles andere als ratsam.

Möglichkeiten die Ozeanriesen umweltfreundlicher zu gestalten beinhalten zum Beispiel einen geringeren Reibungswiderstand des Rumpfes, die Rückgewinnung von Abgaswärme, und eine erhöhte Effizienz der Propeller. Auch Gaswäscher- Nachrüstung sind eine gute Möglichkeit, um Schiffe umweltfreundlicher zu gestalten. Es gibt bereits Forderungen diese Gaswäscher für alle Schiffe, die noch länger als zehn Jahre im Einsatz sind, verpflichtend zu machen.

Umweltbilanz: Segelyachten

Segelyachten sind von Natur aus umweltfreundlicher als reine dieselbetriebene Boote, da Segelyachten eine Form von Hybridfahrzeugen sind. Sie nutzen die Windkraft und benötigen den Dieselmotor nur bei Windflauten, beim manövrieren im Hafen oder für die Erzeugung von Strom an Bord.

Aber wie steht es um eine Segelyacht wie zum Beispiel der Lagoon 560? Die Dieselmotoren eines luxeriösen Kats wie der Lagoon 560 benötigen in etwa 5 Liter pro Stunde / Motor. Bei guten Wetterverhältnissen, müssen die Motoren in etwa 1,5 Stunden pro Tag laufen. Auch wenn natürlich deutlich weniger Menschen auf dem Segelschiff Platz finden im Vergleich zu Kreuzfahrtschiffen, wird deutlich, dass durch die Segel der Motoreinsatz stark beschränkt wird.

Die Werft Lagoon, versuchte sich vor einigen Jahren sogar mit ihrem Model  „Lagoon 420“  an einem Hybrid – Kat, der statt dem Dieselgenerator über einen Wellenantrieb verfügt. Der Hybrid – Kat „Lagoon 420“ brauchte so nur einen Dieselmotor anstelle von zweien und sollte mit der Hälfte des Diesels auskommen. Zusätzlich gibt es Batteriebänke die Ihre Energie aus zwei 10-kW-Elektromotoren mit Wellenantrieben beziehen. Jedoch war die Technik hier leider noch nicht ausgereift, so dass Lagoon noch Optimierungsbedarf sah.

Durch geschickte Fahrweise lässt sich ebenfalls Sprit sparen, indem man z.B. auf Häfen achtet, in denen man gut einfahren kann und bei guten Windverhätlnisse segelt. Bewusstes segeln schont so nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Plastikverschmutzung im Meer

Giftige Abgase sind allerdings nicht die einzigen Sünden der Schifffahrt. Jedes Jahr verschmutzen 7 Millionen Tonnen Plastikmüll unsere Weltmeere. Dies führt zu der Bildung von Müllstrudeln. Der so genannte Great Pacific Garbage Patch ist ein Müllstrudel, der inzwischen so groß wie Zentraleuropa ist und stetig weiter wächst. Aufgrund dieser Verschmutzung verenden zahlreiche Tiere am Plastik, da sie sich entweder darin verfangen oder den Müll mit Nahrung verwechseln. Schildkröten, Seevögel, Meeressäuger und Fische ersticken oder verhungern bei vollen Magen, da sie das Plastik nicht verdauen können. Auch Geisternetze, welche herrenlose Fischernetze sind, stellen eine große Gefahr da, da sie beim umhertreiben im Meer trotzdem weiter fischen. Sie sind nicht nur Gefahr für Fische und Meeressäuger, sonder verfangen sich auch in Korallenriffen. Ein weiteres großes Problem ist, dass das Plastik erst nach 350 – 400 Jahren vollständig zerfällt. Stattdessen zersetz es sich zunächst in sehr kleine Partikel. Diese werden ebenfalls von Meerestieren wie Garnelen, Fischen oder Krebsen verzerrt und landen so letztendlich bei Verzehr auch im menschlichen Organismus. Bisher ist die Auswirkung von Plastik auf den Körper noch nicht ganz geklärt, aber Plastik enthält zahlreiche Giftstoffe und Weichmacher. Zusätzlich sammeln sich andere Umweltgifte auf den Plastikpartikeln an.

Plastikverschmutzung am Strand © frinz / Fotolia.com

Was kann ich als Segler tun?

Hier haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, wie wir gemeinsam umweltfreundlicher segeln können:

  • Befolgen Sie die 10 Goldenen Regeln des deutschen Seglerverbandes
  • Verzichten Sie wo möglich auf den Motoreneinsatz
  • Achten Sie auch darauf, dass keine Plastiktüten, PET Flaschen oder Feuerzeuge über Bord gehen
  • Werfen, Sie auch keine Zigarettenstummel über Bord. Diese werden ebenso von Fischen gefressen und giftig sind
  • Helfen Sie Müll auf See zusammeln oder unterstützen Sie Initiativen die dies tun
  • Achten Sie auf Häfen mit der „blauen Flagge“, die höhere Umweltstandards besitzen
  • Informieren Sie andere Segler über Umweltschutz auf dem Meer

Hoffen wir, dass sich bald in der Schifffahrtindustrie eine größere Werstschätzung unserer Natur einstellt. In der Zwischenzeit, hissen wir die Segel und sorgen bestmöglich dafür, dass so wenig Müll und Abgase in unsere Meere gelangt.

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