Crewgröße: 9 Personen (je Woche inkl. Crewwechsel)
Wann: 2 Wochen vom 18.10. bis 01.11.25
Route: Kos – Pserimos – Leros – Levitha – Kinaros – Amorgos – Kato Koufonisi – Koufonisia – Paros – Mykonos – Delos – Syros – Gyaros – Kythnos – Kea – Alimos (Athen)
Level: Moderat
Segelstil: Segeln, Landerkundungen, (Wasser-)Sport
Wetter: Überwiegend sonnig mit leichten bis böigen Winden
Vorwort
Seit Jahren hatte ich den Wunsch, einmal mit einer eigenen Crew die griechische Inselwelt zu erkunden. Viele Freunde, die bereits in den Kykladen gesegelt waren, schwärmten von der Region. Als wir schließlich im Winter 2024 die Idee fassten, den Törn zu realisieren, ergab sich die Möglichkeit, den Törn als One Way von Kos nach Athen zu segeln. Somit hatten wir die ideale Kombination aus einer längeren Strecke und der Möglichkeit, viele Inseln kennenzulernen. Wir waren insgesamt zehn Personen mit einem geplanten Crewwechsel auf Mykonos. Einige von uns reisten bereits am 16. Oktober an, der Rest kam entweder am Freitag oder am Samstag an. Für mich war es das erste Mal, dass ich die gesamte Reise organisiert habe, und ich war gespannt, wie sich die zwei Wochen entwickeln würden.
16.10. – Ankunft und erst Nacht auf Kos
Ich war der erste aus der Crew, der auf Kos ankam, zwei Tage bevor wir das Boot übernehmen würden. Mein Flug landete spät am Abend, und da es finanziell keinen Sinn ergab, das Mietauto zu dieser Uhrzeit abzuholen, entschied ich mich für eine pragmatische Lösung. Ich hatte neben meinem Gepäck auch noch mein gesamtes Kite-Equipment dabei. Ich hatte mir im Vorfeld einige Orte in der Nähe des Flughafens herausgesucht. Vor Ort suchte ich mir zwei geeignete Bäume, spannte meine Hängematte auf und verbrachte die Nacht dort. Die Stelle lag etwas versteckt hinter einem Schulgelände. Mir war zwar etwas mulmig, dort allein im Dunkeln mit viel Ausrüstung zu übernachten, aber ich bin das Schlafen in der Natur gewohnt und es funktionierte auch dieses Mal.
17.10. – Inselerkundung und erste Begegnung mit der Juicy Lucy
Am nächsten Morgen holte ich das Mietauto ab, was sich schwieriger gestaltete als gedacht. Der Mitarbeiter zögerte, weil ich so viel Gepäck dabei hatte, und meinte, sie seien kein Transportunternehmen. Am Ende klappte es trotzdem, und ich konnte alles verstauen. Da die anderen erst später anreisen würden, nutzte ich den Vormittag, um die Insel zu erkunden. Ich fuhr bis in den Süden hinunter, um die Schönheit der Strände zu genießen.
Später holte ich ein ankommendes Crewmitglied, Ferry, am Flughafen ab und wir fuhren gemeinsam nach Kos-Stadt. In der Marina suchten wir die Stege unseres Partners. Die für den nächsten Tag gebuchte Sun Odyssey 519 fanden wir relativ schnell und trafen die Crew, die die Yacht vor uns genutzt hatte. Sie waren gerade bei der Rückgabe und gaben uns erste Hinweise zum Boot. Kurz darauf kam auch unser Skipper Steffen dazu, der in einer Unterkunft übernachtet hatte und mit Bus und Taxi zur Marina gekommen war.
Für die Nacht entschieden Ferry und ich uns erneut für die Hängematte – zu zweit war es deutlich angenehmer, fast romantisch. Die übrigen Crewmitglieder übernachteten in Hotels oder Hostels in der Nähe und waren so freundlich, unser überschüssiges Gepäck mitzunehmen.
18.10. – Übernahme der Sun Odyssey 519 und Auslaufen ab Kos
Am Vormittag traf allmählich der restliche Teil der Crew auf Kos ein. Eine Person kam noch am Morgen an, trotzdem zog sich der Start in den Tag, weil viele Dinge parallel organisiert werden mussten. Während ein Teil der Gruppe sich um den Einkauf kümmerte, begleiteten andere die Übernahme der Sun Odyssey 519 in der Marina. Die Übergabe war sehr professionell und zielführend. Steffen verhielt sich sehr verantwortungsbewusst und war akribisch, wodurch viele Details besprochen wurden.
Für den Proviant nutzten wir den Supermarkt Kritikos in der Nähe der Marina, der einen Lieferservice anbietet. Wir stellten unsere Einkaufsliste zusammen, gingen persönlich vorbei und gaben an, dass wir in der Marina liegen. Die Einkäufe wurden ohne Aufpreis direkt bis ans Boot gebracht, was uns viel Zeit und Schlepperei ersparte. Trinkgeld war für uns selbstverständlich.
Parallel dazu brachte ich noch das Mietauto zurück, was mich drei Stunden kostete. Eigentlich hatten wir geplant, das Auto für Transfers und/oder Einkäufe nutzen zu können, aber durch den Lieferservice war es letztlich nicht nötig. Als schließlich alle an Bord waren, das Gepäck verstaut und die Übergabe abgeschlossen war, überlegten wir kurz, ob das Auslaufen noch möglich sei. Steffen wollte mit der gemischten Crew nicht erst im Dunkeln in einer unbekannten Bucht ankommen. Am Ende klappte es, und wir liefen noch bei Tageslicht gegen 17:30 Uhr aus. Für den ersten Abend hatten wir noch Gyros gekauft, sodass wir nicht direkt kochen mussten. Wir aßen während der ersten Etappe unter Motor.
Die Fahrt zur ersten Bucht war nicht lang. Wir steuerten Pserimos an und gingen in der Vathy-Bucht vor Anker. Trotz Nachsaison lagen wir nicht allein in der Bucht, wodurch sich bestätigte, dass diese Bucht ein klassischer erster Stopp nach dem Auslaufen von Kos ist. Ein schöner Ort für den Einstieg in den Törn.
Nach dem Ankern sprangen einige von uns noch ins Wasser, obwohl es bereits dunkel war. Anschließend saßen wir zusammen an Bord, lernten uns als Crew besser kennen und gingen den Plan für die kommenden Tage durch.

19.10. – Sonnenaufgang vor Pserimos und Weiterfahrt Richtung Leros
Wir wachten früh auf und wurden direkt mit einem schönen Sonnenaufgang begrüßt. Wir lagen so vor Anker, dass die Sonne hinter dem Boot aufging und die Bucht langsam in warmes Licht tauchte. Einige von uns nutzten den ruhigen Morgen für eine Runde im Wasser oder paddelten mit dem Stand-up-Paddle entlang der Küste. Trotz der frühen Stunde war schnell Bewegung an Bord, denn wir wollten unsere Etappe nicht zu spät beginnen. Da die Tage merklich kürzer wurden, wollten wir lieber möglichst früh aufbrechen, um am jeweiligen Tagesziel noch Zeit zu haben.
Nach dem Frühstück lichteten wir den Anker und machten uns auf den Weg Richtung Norden. Zunächst steuerten wir eine Bucht vor Kalymnos an, in der wir mittags einen kurzen Stopp einlegten. Dort gingen wir vor Anker, schwammen, schnorchelten und fuhren mit dem Dinghy an der Küste entlang. Eigentlich hatten wir gehofft, an einem Strand etwas Platz für Aktivitäten zu finden, aber der Wind stand ungünstig und die Bedingungen waren nicht ideal. Es blieb daher bei einem kurzen Aufenthalt, bevor wir weiterfuhren.
Am Nachmittag setzten wir Kurs auf Leros. Auf dieser Etappe konnten wir direkt die Segel setzen, was für viele an Bord ein schönes Gefühl war, da wir im Vorfeld mögliche Flautetage angekündigt hatten. 11 Seemeilen später erreichten wir die Bucht von Panteli Beach. Hier machten wir an einer Boje fest. Laut Hafenführer hätte diese eigentlich eine kleine Gebühr gekostet, aber es kam niemand vorbei. Vermutlich, weil bereits Nebensaison war.
Wir bereiteten das Dinghy vor und fuhren an Land, um im Restaurant Dimitris o Karaflas einzukehren. Das Essen dort war hervorragend. Wir bestellten mehrere Gerichte für den Tisch, wie es in Griechenland üblich ist, und teilten alles miteinander. Es gab Fleisch, Fisch und verschiedene Beilagen. Der Wirt war sehr herzlich, setzte sich später noch zu uns und trank mit uns einen Schnaps. Für neun Personen inklusive Getränke war die Rechnung mit 150 € überraschend niedrig.
Spät am Abend fuhren wir mit dem Dinghy zurück zur Yacht. Kurz bevor wir schlafen gingen, erlebten wir eine Situation, die uns alle sehr beschäftigte. Ein großes Schlauchboot mit vielen Menschen an Bord fuhr mit hoher Geschwindigkeit auf die Küste zu. Beim Ankommen am Strand sprangen die Menschen jubelnd von Bord und rannten in verschiedene Richtungen davon. Das Schlauchboot blieb am Strand zurück. Kurz darauf erschienen die Küstenwache und die lokale Polizei, um nach den Menschen zu suchen. Diese Szene live mitzuerleben war bedrückend und ließ uns nachdenklich einschlafen.


20.10. – Weiterfahrt nach Levitha und Regen in der geschützten Bucht
Passend zu unserer morgigen Stimmung und leicht gezeichnet von den nächtlichen Ereignissen, zeigte sich das Wetter deutlich verändert. Es regnete zwar durchgehend, der Wind blies aber moderat, sodass wir unseren Törn nach Levitha vorbereiteten. Wir verließen Leros südwestlich und brachten die 25 nm in ca. 5 Stunden hinter uns. Am frühen Nachmittag erreichten wir die geschützte Bucht im Süden der Insel.
Trotz des Regens erkundeten wir die Insel und unternahmen einen längeren Spaziergang. Später kochten wir gemeinsam, spielten Karten und Brettspiele und verbrachten viel Zeit im Salon. Der Ankerplatz war optimal, wir lagen sicher und ruhig.
Am frühen Abend ließ der Regen nach. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine Drohne zu starten und die Bucht aus der Luft zu filmen. Trotz des grauen Himmels hatte der Ort eine besondere Stimmung. In der Zwischenzeit fanden mehrere Boote Schutz in unserer Nähe. Es blieb ruhig bis in die Nacht.
21.10. – Aufklaren am Morgen, kurze Aktivitäten und Weiterfahrt nach Amorgos
Am Morgen zeigte sich das Wetter wieder etwas freundlicher. Der Regen hatte weitestgehend aufgehört, auch wenn es noch wechselhaft blieb. Einige von uns nutzten die ruhigen Bedingungen in der Bucht, um mit dem Stand-up-Paddle auf Entdeckungstour zu gehen. Dabei paddelten wir auch in eine kleine Höhle hinein und entdeckten einen Seestern im klaren Wasser. Es war kein langer Ausflug, aber ein schöner Start in den Tag.
Nach dem Frühstück lichteten wir den Anker und machten uns auf den Weg nach Kinaros. Nur etwa 9 Seemeilen später erreichten wir den Süden der Insel. Den geplanten Stopp verwarfen wir schnell, da uns der starke Schwell verunsicherte und sich in der Ferne eine Wetterfront mit dunklen Wolken aufbaute.
Also übersprangen wir Kinaros und nahmen direkten Kurs auf Amorgos. Die Überfahrt war, anders als befürchtet, angenehm ruhig. So ergab sich die Möglichkeit, Manöver intensiver zu üben.
Am frühen Abend erreichten wir unseren nächsten Ankerplatz vor Nikouria Beach. In der Bucht entschied Steffen, die Crew aktiv ins Ankern einzubinden, was sehr positiv aufgenommen wurde. Da es für einige von uns der erste Segeltörn war, wollte jeder möglichst viel lernen und für sich mitnehmen. Der Untergrund erwies sich als widerspenstig und wir benötigten mehrere Anläufe, bis der Anker hielt. Der Tag endete entspannt an Bord, mit einem gemeinsamen Abendessen und Gesprächen über die nächsten Etappen.


22.10. – Wanderung am Morgen und Schiffswrack bei Kato Koufonisi
Der Morgen begann früh mit einer Wanderung. Wir wollten eigentlich pünktlich zum Sonnenaufgang oben auf dem Hügel stehen, schafften es zeitlich aber nicht ganz. Trotzdem setzten vier von uns mit dem Dinghy an Land über und gingen den Hang hinauf. Es war kein klarer Wanderweg, eher ein natürlicher Pfad, stellenweise vermutlich von Ziegen ausgetreten. Von oben hatten wir einen großartigen Blick über die Bucht, auf die SO 519 und auf das umliegende Meer. Das Licht und die Ruhe machten diesen kurzen Ausflug besonders.
Während ein Teil der Crew unterwegs war, blieben andere an Bord, paddelten mit dem Stand-up-Paddle, angelten oder genossen einfach den Morgen. Ein Fisch ging an die Angel, war aber zu klein und wurde wieder ins Wasser gesetzt.
Kurz vor Mittag brachen wir auf. Die See war ruhig, der Wind schwach, sodass wir größtenteils unter Motor fuhren. Zwei Crewmitglieder banden ihre Stand-up-Paddles am Heck fest und ließen sich während der Fahrt gemütlich hinterherziehen.
Zwei Stunden später erreichten wir das Schiffswrack Olympia im Westen der Insel. Wir gingen vor Anker und verbrachten knapp drei Stunden vor Ort. Das Wasser war extrem klar, und die Überreste des Wracks lagen sichtbar unter der Oberfläche. Einige schnorchelten rund um die Metall- und Holzteile, andere kletterten auf das Wrack und sprangen von oben ins Wasser. Dabei war Vorsicht geboten, da rostige Stellen und scharfe Kanten vorhanden waren. Mit Wasserschuhen war es machbar.
Um unseren abendlichen Ankerplatz noch zu erreichen, setzten wir Kurs Richtung Norden. Unser Ziel war die bekannte Bucht Paralia Pori vor Pano Koufonisi, die (angeblich) als eine der schönsten der Kykladen gilt. Wir erreichten den Strand kurz vor Sonnenuntergang. Das Wasser war intensiv blau, der Grund sichtbar, und es lagen nur eine Handvoll Boote vor Ort. Da das Ankern direkt funktionierte, schwammen wir noch an den Strand und spielten Spikeball bis es dunkel war.


23.10. – Starkwind und Ankunft auf Paros
Am Morgen verließen wir die Bucht und setzten Kurs Richtung Westen. Unser Tagesziel war Naoussa im Norden von Paros. Schon kurz nach dem Auslaufen merkten wir, dass die Überfahrt anspruchsvoller werden würde. Bei konstant 5 Bft kämpften wir uns vor. Der Düseneffekt zwischen Paros und Naxos führte zu spürbarem Wellengang. Für mich war es die erste Etappe, bei der ich Ingwer kaute, um den Magen ruhig zu halten. Den meisten anderen an Bord ging es aber gut.
Die Überfahrt machte trotzdem Spaß. Wir bekamen eine ungefähre Vorstellung davon, wie unberechenbar der Meltemi ist. Wir arbeiteten konzentriert an Bord, refften die Segel und brachten die Strecke hinter uns. Unterwegs begleiteten uns Delfine, die zeitweilig neben dem Boot her sprangen. Das war für uns natürlich ein besonderes Erlebnis und sorgte trotz der Bedingungen für gute Stimmung.
Am Nachmittag liefen wir die Bucht vor Naoussa an. Wir ankerten in der Nähe des Anlegers vor dem Strand Piperi Beach. Von dort aus hatten wir einen schönen Blick auf die Stadt, besonders als die Sonne tiefer stand. Wir setzten mit dem Dinghy über und gingen an Land.
Am Abend teilte sich die Gruppe. Ein Teil holte sich Gyros Pita, andere gingen in das Fischrestaurant Mare Nostrum direkt am Hafen essen. Das Mare Nostrum ist empfehlenswert, wenn auch nicht ganz günstig.
24.10. – Frühstart vor Paros, Kitesurfen und Nacht vor Anker
Wir starteten sehr früh in den Tag. Bei Sonnenaufgang legten wir ab, um die morgendlichen Stunden zu genießen. Während wir unter Segel südwestlich um die Insel fuhren, stieg die Sonne immer höher. Das Licht, die Wellen und der Wind sorgten für eine besondere Stimmung an Bord. Unser Ziel lag lediglich 12 nm entfernt, in einer Ankerbucht vor Nisída Dipló. Der Wind kam aus Südwest, sodass wir mehrfach kreuzen mussten. Nach gut drei Stunden erreichten wir die Bucht und ließen den Anker fallen – Zeit zum Brunchen.
Der Wind war deutlich stärker als an den Tagen zuvor. Für mich und ein weiteres Crewmitglied war dies der Tag, auf den wir gehofft hatten, denn die Bedingungen zum Kitesurfen waren ideal. Nach unserer Pause legten wir ab und fuhren zum Paros Kite Beach, weniger als zwei Seemeilen südlich unseres Ankerplatzes.
Vor dem Spot gingen wir vor Anker. Es waren viele Kiter draußen, und der Wind stand konstant. Schließlich bauten wir unser Material zusammen und gingen nacheinander aufs Wasser. Der Spot bot genug Platz, und unsere Yacht lag stabil vor Anker. Steffen blieb anfangs an Bord, um ein Auge auf das Boot zu haben.
Am späten Nachmittag waren wir alle müde vom Kiten und machten uns wieder auf den Weg zurück in die Ankerbucht vor Nisída Dipló, um dort die Nacht zu verbringen. Die Umgebung war ruhig, die Inseln lagen wie gestapelt um uns herum, und das Licht am Abend war besonders klar. Einige von uns gingen noch schwimmen, andere saßen an Deck und ließen den Tag Revue passieren.
25.10. – Weiterfahrt nach Mykonos und Crewwechsel
Am Morgen verließen wir unseren Ankerplatz und machten uns auf den Weg nach Mykonos. Der Wind stand weiterhin gut, sodass wir einen Großteil der Strecke unter Segel zurücklegen konnten.
Bereits auf der Überfahrt begannen wir, den Crewwechsel zu organisieren. Uns war klar, dass wir Gas, Wäsche, neue Einkäufe und die Übergabe einer Person koordinieren mussten. Deshalb teilten wir uns in Gruppen auf und legten fest, wer was übernimmt.
Am frühen Nachmittag erreichten wir nach knapp 28 nm Mykonos und setzten zunächst mit dem Dinghy an einem kleinen Steg einen Teil der Crew ab. Dort verabschiedeten wir auch unsere Mitseglerin. Anschließend fuhr der Rest der Crew weiter in die Bucht des Paralia Korfos weiter südlich, wo gut geankert werden konnte. In der Nähe gab es einen den AB Food Market, sodass der Einkauf für die zweite Woche direkt erledigt werden konnte.
Während ein Teil von uns einkaufte, kümmerten sich andere um das Waschen der Bettwäsche und das Auffüllen der Vorräte an Bord. Dies hat einwandfrei funktioniert. Lediglich das Besorgen einer neuen Gasflasche gestaltete sich höchst kompliziert: Weder Tankstellen, noch Shops hatten die geeignete Größe im Vorrat. Nach Rücksprache mit dem Vercharterer verzichteten wir auf eine neue Flasche und verschoben dies auf den nächsten Tag. Am späten Nachmittag stieß unser neues Crewmitglied dazu und wurde mit dem Dinghy am Strand eingesammelt. Danach machten wir uns auf den Weg und fuhren in den Altstadthafen von Mykonos.
Am Abend gingen wir gemeinsam essen im Pepper Souvlaki & More. Ein durchschnittlicher Imbiss mit Souvlaki und Gyros, absolut ausreichend. Im Anschluss entschieden sich vier von uns, noch weiterzuziehen. Verständlicherweise waren bereits viele Bars geschlossen. Im Negrita Mykonos gab es noch Getränke. Hier war es entsprechend voll und eine willkommene Abwechslung zum Alltag an Bord. Der Rest der Crew blieb nach dem Essen noch etwas im Restaurant sitzen und kehrte anschließend zurück an Bord.

26.10. – Start der zweiten Woche und Weiterfahrt nach Delos
Am nächsten Morgen starteten wir in die zweite Woche des Törns. Wie gewohnt, frühstückten wir an Bord, räumten auf und machten die SO 519 für die Weiterfahrt klar. Mit der neuen Crewkonstellation mussten sich die Abläufe kurz einspielen, was aber schnell funktionierte.
Wir verließen Mykonos und setzten Kurs nach Delos. Für die 5 nm setzten wir nur kurz das Vorsegel und ließen den Motor mitlaufen. Wir fanden in der Nähe des Anlegers direkt einen Ankerplatz. Trotz Nachsaison lagen einige Ausflugsboote am Anleger. Wir bekamen eine ungefähre Idee, wie überlaufen das Museum in der Hochsaison sein muss.
Einige von uns entschieden sich für den Besuch und zahlten ca. 20 € pro Person. Der Ausflug ist lohnenswert, man sollte aber ausreichend Zeit einplanen, um auch das Gelände um das Museum erkunden zu können.
Der Rest der Crew ging schwimmen, fuhr mit dem Dinghy ein Stück entlang der Küste oder ließ die Seele baumeln. Nach Rückkehr der Museumsbesucher setzten wir unsere Fahrt gegen 15:00 Uhr fort und steuerten eine Bucht im Norden von Rinia an. Nach gut einer Stunde erreichten wir unseren Zielort und hatten die gesamte Bucht für uns allein. Da wir ausreichend Zeit bis zum Sonnenuntergang hatten, bereiteten wir in Ruhe das Essen vor, während vom Besuch in Delos berichtet wurde. Anschließend erlebten wir einen traumhaften Sonnenuntergang und ließen den Abend ausklingen.
27.10. – Syros, Industriehafen, Stadtbesuch und Kitetag mit Hindernissen
Da wir auf Mykonos kein Gas besorgen konnten, mussten wir dies dringend nachholen, da wir weiterhin nicht auf heißen Kaffee zum Frühstück verzichten wollten. Wie zuvor mit unserem Vercharterer besprochen, sollten wir auf Syros fündig werden. Für die knapp 14 nm benötigten wir ca. 3 Stunden.
Wir steuerten den Industriehafen von Syros an. Der Kommunalhafen war nicht mehr in Betrieb, sodass man dort problemlos und kostenlos liegen konnte. Wie erhofft konnten wir hier das benötigte Gas kaufen. Als wir alle zurück an Bord waren, wollten wir erst planmäßig weiterfahren. Während wir uns jedoch im Hafen umsahen, merkten wir, dass sich der Ort durch seinen ganz eigenen Charakter gut anfühlte.
Der Industriehafen wirkte ruhig und authentisch. Viele von uns hatten Mykonos kaum gesehen, deshalb entschieden wir uns gemeinsam, in Syros zu bleiben und den Tag dort zu verbringen. Fast die gesamte Crew ging in die Stadt, schlenderte durch die Straßen, saß in Cafés und genoss einen entspannten Stadttag. Für die meisten war es ein angenehm abwechslungsreicher Tag, gerade weil er einen bewussten Kontrast zu den vielen Natur- und Seetagen bildete.
Ferry und ich hatten ursprünglich vorgehabt, den guten Wind zu nutzen und auf der anderen Westseite der Insel kiten zu gehen. Wir nahmen ein Taxi zum Paralia Delfini. Bereits die Anfahrt gestaltete sich schwierig. Der Taxifahrer wollte uns zunächst gar nicht dorthin bringen, da wir uns am Telefon missverstanden hatten. Widerwillig erklärte er sich letztlich einverstanden und ließ uns knapp 10 Minuten Fußweg vom Strand entfernt aussteigen. Am Strand angekommen, stellte sich schnell heraus, dass die Bedingungen deutlich schlechter waren als erhofft. Der Wind passte nicht, der Spot funktionierte nicht, und an Kitesurfen war nicht zu denken. Der Rückweg entwickelte sich dann zu einer Geduldsprobe. Es wollte uns niemand abholen, und wir benötigten lange, um wieder zurückzukommen. Der Ausflug ging insgesamt komplett schief. Es dauerte, bis wir eine Bushaltestelle fanden, von der ein Bus in die Nähe des Hafens fuhr. Das Kite-Equipment erschwerte jeden Schritt zusätzlich.
Nach 6 Stunden trafen wir wieder an Bord auf den Rest der Crew, die einen richtig guten Tag in der Stadt verbracht hatte. Der Unterschied zwischen unserem frustrierenden Kiteausflug und dem entspannten Stadttag hätte kaum größer sein können. Schlussendlich nahmen wir es mit Humor.
28.10. – Kurs auf die Gefängnisinsel Gyaros und Weiterfahrt nach Kythnos
Am Morgen verließen wir Syros und setzten Kurs auf Gyaros. Die Insel lag auf unserer Route und war schon aus der Ferne gut zu erkennen. Die unbewohnte Insel hat eine besondere Geschichte: Früher wurde sie als Verbannungs- und Gefängnisinsel genutzt und steht heute unter Denkmalschutz. Die Insel ist nicht für Touristen zugänglich und für das Betreten wäre eine staatliche Genehmigung erforderlich gewesen, über die wir nicht verfügten.
Wir näherten uns der Insel und blieben auf Abstand. Da Schwimmen sowie Tauchen ebenfalls nicht erlaubt ist, fehlten ein wenig die Möglichkeiten. Trotzdem war es eindrucksvoll, die Insel aus dieser Perspektive zu sehen. Die karge Landschaft und die abgeschiedene Lage machten schnell deutlich, warum dieser Ort über Jahrzehnte eine besondere Rolle in der griechischen Geschichte gespielt hat.
Wir stoppten auf Höhe der Insel kurz, um noch etwas an Bord zu essen. Dabei fiel uns auf, wie klar das Wasser war. Rund um das Boot zogen zahlreiche Fischschwärme ihre Kreise, die wir gut vom Deck aus beobachten konnten. Auch ohne ins Wasser zu gehen war es ein besonderer Moment auf dieser Etappe.
Nach der Pause setzten wir unsere Fahrt fort und ließen Gyaros hinter uns. Unser Tagesziel war Kythnos. Vor uns lagen 20 nm mit Wind aus Nordost. Während der Fahrt entschieden wir uns, eine Angel auszuwerfen. Kurz vor Kythnos war es dann endlich so weit: Unser erster Fisch war gefangen. Die Aufregung war groß an Bord, da der Fisch größer als erwartet war. Mit viel Geduld holten wir ihn an Deck und planten mit frischem Fisch am Abend. Kurz danach erreichten wir die Bucht vor Paralia Agios Ioannis. In der Bucht stieg die elektrische Ankerwinsch aus und blockierte. Dadurch konnten wir den Anker nicht mehr herablassen. Nach einigen Telefonaten wussten wir, wie die Elektronik umgangen werden konnte und bedienten die Winsch manuell. Nachdem wir stabil lagen, ließen wir uns den Fisch schmecken.
29.10. – Paralia Agios Ioannis, Kythnos und Paralia Fikiadas
Am Morgen wachten wir wieder mit dem Sonnenaufgang auf. Einige starteten den Tag mit einem Landspaziergang oder paddelten mit dem Stand-up-Paddle entlang der Küste. Jeder machte das, worauf er gerade Lust hatte, bevor wir uns langsam für die Weiterfahrt vorbereiteten.
Nach dem Frühstück brachen wir auf und setzten Kurs Richtung Nordwesten von Kythnos. Unser Ziel war die Bucht vor Paralia Fikiadas, etwa 18 nm entfernt. Die Überfahrt verlief entspannt, und wir hatten keinen Zeitdruck. Als wir ankamen, war noch viel vom Nachmittag übrig, was sich sofort in der Stimmung an Bord bemerkbar machte.
Ein Teil der Crew ging an Land und machte einen Spaziergang, andere blieben am Strand und spielten Spikeball. Einige blieben auch einfach an Bord oder gingen noch einmal ins Wasser. Der Tag fühlte sich sehr locker und abwechslungsreich an, ohne festes Programm oder große Etappen.
Am Abend kam kurz die Idee auf, den nächsten Tag einfach in der Bucht zu bleiben. Mit Blick auf die noch vor uns liegende Strecke bis zur Marina Alimos in Athen und der anstehenden Flaute entschieden wir uns jedoch dagegen. Uns war klar, dass wir in den kommenden Tagen noch gut Strecke machen mussten, und so blieb Paralia Fikiadas ein entspannter, aber bewusst nicht verlängerter Stopp.

30.10. – Endspurt und die Bucht vor dem Mavrambeli Beach
Am Morgen genossen wir noch die Bucht und verbrachten die ersten Stunden des Tages, wie gewohnt, aktiv. Von Kythnos aus setzten wir Kurs auf Kea. Es war bereits später Nachmittag, als wir den Mavrambeli Beach erreichten. Außer uns lag dort nur eine weitere Yacht vor Anker.
Für uns war es der letzte Abend auf See, sodass wir als Crew den „Abschluss“ etwas feiern wollten. Noch bevor bei uns überhaupt Stimmung aufkam, legte das andere Schiff ab und wir hatten (wieder) die gesamte Bucht für uns allein. Die Ruhe, der Blick auf den Strand und das letzte Licht des Tages machten den Ort sofort besonders.
Wir gingen an Land, setzten uns mit Decken an den Strand und verbrachten den Abend dort. Es wurde lange gefeiert, gelacht und Musik gehört, ohne dass wir jemanden störten. Die Bucht bot genau den richtigen Rahmen für unseren Abschluss. Es wäre ein perfekter Platz für ein Lagerfeuer gewesen. Da offenes Feuer erst ab dem 1. November erlaubt gewesen wäre und wir bis dahin entspannt und regelkonform unterwegs waren, verzichteten wir bewusst darauf.
Stattdessen blieb es bei einem langen Abend am Strand und an Bord. Für viele von uns war diese Bucht auf Kea einer der schönsten Ankerplätze der gesamten Reise.

31.10. – Letzte Etappe nach Alimos
Am Morgen verließen wir die wunderschöne Bucht und motorten Richtung Athen. Wir hatten noch vergeblich auf Wind gehofft.
Die Überfahrt verlief unspektakulär und ruhig. Wir nutzten die Zeit, um das Boot Stück für Stück aufzuräumen und persönliche Sachen zu sortieren. Die Gespräche an Bord drehten sich um die vergangenen zwei Wochen, um Lieblingsbuchten, besondere Momente und auch um das, was zu Hause wieder anstehen würde.
Je näher wir Athen kamen, desto dichter wurde der Verkehr auf dem Wasser. Der Kontrast zu den abgelegenen Buchten der letzten Tage war deutlich spürbar. Gegen 16:00 Uhr liefen wir in die Marina Alimos ein. Am Steg halfen uns die Mitarbeiter des Vercharterers beim letzten Anlegen. Wir begannen mit den letzten Aufräumarbeiten und bereiteten den Check-Out vor. Dieser verlief ebenfalls sehr unbürokratisch, professionell und freundlich.
Am Abend gingen wir noch gemeinsam essen. [Weißt du noch wo?]Es war ein ruhiger Abschluss nach zwei intensiven Wochen auf See, mit vielen Inseln, langen Etappen, spontanen Entscheidungen und einer Crew, die über die Zeit gut zusammengewachsen war.
01.11. – Abreise und letzte Tage in Athen
Am Morgen verließen wir unsere SO 519 und verabschiedeten uns von den Mitarbeitenden. Einige von uns hatten bereits am Mittag den Rückflug nach Deutschland, während andere noch bis zum nächsten Tag Athen erkundeten. Nach den Wochen an Bord war der Wechsel in den städtischen Alltag deutlich spürbar, aber angenehm. Empfehlenswert ist der Besuch von Athens Stadtberg Lykavittos. Von der Aussichtsplattform hat man einen spektakulären Blick über Athen und die Akropolis.

Fazit
Mein erster Törn war abwechslungsreich, intensiv und geprägt von vielen Erfahrungen. Für mich war dieser Törn vor allem deshalb besonders, weil er sich nie nach einem klassischen Urlaub angefühlt hat. Es ging nicht darum, möglichst viele Orte abzuhaken oder jeden Tag ein Highlight zu haben. Vielmehr entstand der Reiz aus den vielen kleinen Entscheidungen unterwegs. Aus dem gemeinsamen Abwägen, ob man weiterfährt oder bleibt, aus Tagen, die anders liefen als geplant, und aus Momenten, die sich erst im Nachhinein als genau richtig herausstellten.
Ich habe gemerkt, wie gut mir diese Art des Reisens tut. Früh aufstehen, den Tag langsam beginnen lassen, unterwegs sein, ohne genau zu wissen, wie der Abend aussehen wird. Manche Pläne funktionierten, andere nicht, und gerade das machte den Törn für mich so stimmig. Ob einsame Buchten, lebendige Ort oder der frustrierende Kiteausflug, alles hatte seinen Platz.
Besonders hängen geblieben ist für mich das Zusammenspiel in der Crew. Trotz Wechsel, unterschiedlicher Erwartungen und sehr verschiedener Tage entwickelte sich über die zwei Wochen eine Selbstverständlichkeit im Miteinander. Am Ende war es genau diese Mischung aus Bewegung, Ruhe, Spontanität und Gemeinschaft, die den Törn für mich rund gemacht hat. Mein besonderer Dank gilt Steffen, unserem Skipper, der einen überragenden Job gemacht hat!




