Auf der Flucht: Wenn Touristen und Flüchtlinge sich begegnen

Immer mehr Flüchtlinge kommen über das Mittelmeer nach Europa. Zahlreiche Menschen sind von den Medienberichten verunsichert und wissen nicht, wie sie mit der derzeitigen Situation umgehen sollen. Viele Fluchtrouten kreuzen beliebte Urlaubsländer wie die Türkei, Griechenland, Kroatien oder Italien. Vor allem die griechischen Insel Kos oder auch das türkische Bodrum sind beliebte touristische Orte, die nun oft mit der Flüchtlingskrise in Verbindung gebracht werden.

So nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, als Tourist bzw. Skipper auf Menschen auf der Flucht zu begegnen. Laut insidersegeln.de ist es jedoch bisher eher die Ausnahme auf Flüchtlinge auf dem Meer zu treffen. Vor allem bei Tagesfahrten ist es sehr unwahrscheinlich auf ein Boot mit Flüchtlingen zu treffen, jedoch ist dies bei Nachtfahrten schon vorgekommen. Wir möchten Sie trotzdem über die derzeitige Situation informieren und Ihnen hilfreiche Tipps vermitteln, wie Sie gegebenenfalls Geflüchteten im Notfall helfen können.

kleiner Junge auf der Flucht © Lydia Geissler / Fotolia.com

Wie ist die derzeitige Situation?

Seit diesem Jahr sind die Flüchtlingszahlen stark angestiegen und vor allem über das türkisch-griechische Grenzgebiet in den Dodekanes fliehen viele Menschen vor Krieg und Unterdrückung im eigenen Heimatland nach Europa. Da die europäischen Grenzen stark kontrolliert werden und Ungarn sich sogar dazu entschlossen hat Grenzzäune zu errichten, sehen viele Geflüchtete als einzigen Ausweg über den sehr unsicheren Weg über das ägaische Meer nach Europa zu gelangen. Schlepper nutzen diese ausweglose Situation der Geflüchteten und kassieren viel Geld für eine unsichere Überfahrt in teilweise völlig seeuntauglichen Booten über das Meer.

Aufgrund der erhöhten Flüchtlingszahlen, nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, als Segler Menschen auf der Flucht zu begegnen. Plötzlich kann es sein, dass Menschen im Urlaub und Menschen die fliehen sich auf hoher See oder auch an Land begegnen. Wir haben daher kurz zusammengefasst, wie man sich in verhalten kann, falls man in diese Situation kommen sollte.

 Sollte ich in den betroffenen Regionen noch Urlaub machen?

 Viele Länder wie Griechenland, die Türkei oder Italien leben vom Tourismus. Die Wirtschaft und auch einzelne Geschäftsleute werden hart getroffen, wenn nun alle Touristen diese Länder meiden, um sich in ihrem Urlaub nicht mit dem Leid von fliehenden Menschen auseinander setzen zu müssen. Probleme entstehen oft, dass die Kommunen oder Inseln, wo die Flüchtlinge zunächst ankommen, mit der Situation überfordert sind. Es kommt daher zu schlechten Unterbringungen der Menschen bzw. sind die Wartezeiten für Registrierungen oft so lang, dass die Flüchtlinge sich zunächst oft selbst überlassen sind.

Touristen sollten sich bewusst sein, dass in der Regel von Flüchtlingen keine Gefahr ausgeht – es sind Männer, Frauen und Familien mit Kindern, die vor schlimmen Zuständen in ihrer Heimat fliehen mussten. Es ist natürlich bedrückend sich mit der derzeitigen Realität der Flüchtlinge direkt auseinander zusetzen. Man darf aber auch das großartige ehrenamtliche Engagement nicht unterschätzen, das derzeit in vielen Ländern und Orten herrscht. Freiwillige geben ihr Bestes geben, um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern. Wer mag, kann sich vorab eventuell auch erkundigen wie man die Urlaubsregion vor Ort unterstützen kann, wie zum Beispiel durch Sachspenden. Auch ist es wichtig, in den Geschäften und Restaurants vor Ort einzukaufen, um die Einheimischen zu unterstützen und so die Situation für alle zu verbessern.

Letztendlich muss aber jeder die Entscheidung für sich selbst treffen, ob er weiterhin Urlaub in diesen Regionen machen möchte und diese somit auch wirtschaftlich unterstützt oder die Probleme lieber meiden möchte.

Wie helfe ich, wenn ich auf hoher See auf Flüchtlinge treffe?

Falls Sie in die Situation kommen sollten und Flüchtlinge auf dem Meer antreffen, sollten Sie vor allem schnellstmöglich Hilfe rufen, indem Sie die Küstenwache oder die Seenotleitstellen informieren. Diese können schnell professionell Hilfe leisten. Oft sind die Boote, mit denen Menschen fliehen äußerst unsicher, überbesetzt oder gar nicht seetüchtig. Bevor also das Boot mit den Menschen in Seenot gerät, sollten die Menschen vorab sicher an Land gebracht werden.

In der Regel können Sie in den meisten Ländern den Coastguard über Kanal 16 informieren. Falls Sie dort niemanden erreichen, können Sie auch mit Hilfe der Telefon-Kurzwahl den Coastguard erreichen. Für die Türkei ist dies die 158, in Griechenland die 108 und in Italien ist dies die „Numero Blue“ 1530. Bitte beachten Sie, dass diese Kurzwahl-Nummer nur im nationalen Handynetz des jeweiligen Landes funktionieren! In Grenzgebieten kann sich Ihr Mobiltelefon auch in das Handynetz des Nachbarlandes einwählen, wenn dort der Empfang stärker ist. Falls auch diese Kurzwahlen niemanden erreichen, können Sie die deutsche MRCC in Bremen unter folgender Nummer rund um die Uhr erreichen (0049) (0)421/536870. Hier kann die Leitstelle im Notfall dann direkt die nationale MRCC des jeweiligen Landes kontaktieren.

Pro Asyl hat außerdem eine Informationsbroschüre herausgeben, um Skipper und Crews zu helfen, wie Sie sich im Falle eines Zusammentreffens mit Flüchtlingen verhalten sollten. Wir haben die wichtigsten Punkte hier kurz zusammengefasst:

  • Kontaktieren Sie unverzüglich den zuständigen Seenotrettungsdienst und geben Sie Informationen wie Anzahl der Personen und Verletzungen weiter
  • Sie müssen eingreifen, wenn Seenot oder gar Lebensgefahr für einen Menschen besteht, dabei ist die Herkunft des Menschen nicht von Bedeutung
  • In dieser Notsituation sind Sie auch nicht verpflichtet gültige Visa oder den Grund der Seenot zu prüfen
  • Führen Sie stets die notwenige Ausrüstung bei sich und halten Sie Rettungsmittel bereit
  • Bergen Sie die in Not befindlichen Personen und stellen Sie eine medizinische Erstversorgung sicher
  • Bleiben Sie in der Nähe des in Seenot geratenen Bootes

Die Yacht rät außerdem in Ihrer Ausgabe vom 12/2015:

Das das Abbergen auf das eigene Schiff, allerdings erst als allerletzter Schritt unternommen werden sollte, da Gefahr durch bewaffnete Schlepper an Bord entstehen kann oder die Kapazitäten des eigenen Schiffes aufgrund der Anzahl der Menschen überschritten werden könnte.

Außerdem rät die Yacht, dass der Rettungsvorgang dokumentiert werden sollte, damit sicher gestellt wird, dass Sie die Geflüchteten aus der Not geholfen haben und Sie nicht selbst am Menschenschmuggel beteiligt waren.

Für mehr detaillierte Informationen können Sie hier die vollständige Informationsbroschüre von Pro Asyl (auf englisch) einsehen und kostenlos downloaden.

Wichtig! Sie müssen niemanden retten, wenn Sie dadurch sich selbst oder Ihre Crew in Gefahr bringen, aber Sie sind verpflichtet Hilfe in Form der Seenotrettung zu kontaktieren. Bitte informieren Sie sich immer vorab einer Reise (unabhängig zu der derzeitigen Flüchtlingssituation) über die nationalen Notrufnummern und überprüfen Sie die Aktualität der Rufnummern. Und informieren Sie sich auch vorab über die aktuelle Situation vor Ort, da es bei dieser Thematik zu stets neuen Entwicklungen kommt.

 

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