Wir stellen vor: sechs Hafenorte in sechs verschiedenen Atlantikrevieren mit ganz unterschiedlichem Charakter. Eine tolle Alternative zum klassischen Mittelmeertörn.

Saint-Martin-de-Ré/La Rochelle
Die Stadt La Rochelle liegt ungefähr in der Mitte der langen französischen Westküste. Hier befindet sich der große Yachthafen Port de Minimes mit über 5000 Liegeplätzen und entsprechend umfangreichem Service. Die Stadt bildet zusammen mit den drei vorgelagerten Inseln ein tolles Revier für einen Wochentörn. Ein schönes Törnziel ist dabei der Ort Saint-Martin-de-Ré auf der Île de Ré. Am Hafen gibt es etliche Cafés und Restaurants, so stellt sich hier schnell Urlaubsstimmung ein. Die Insel ist bekannt für ihre Austern und Muscheln, die hier gezüchtet und natürlich in den Restaurants angeboten werden. Während der Hauptsaison kann es im Hafen zwar voll sein, aber das freundliche Hafenpersonal hat alles gut im Griff. Auf der Insel gibt es ein ausgedehntes Radwegenetz, das die kleinen Orte miteinander verbindet. So kann man hier einen tollen Tag damit verbringen, die Salinen und die schönen Sandstrände zu besuchen.
Wenn Sie gern einmal in einem Tidenrevier segeln möchten, kann ein Charter ab La Rochelle ein guter Einstieg sein.

Le Palais/Südbretagne
Im Bereich der Baie de Quiberon in der Südbretagne gibt es mehrere große Charterstützpunkte, z.B. in Arzon, La-Trinite-sur-Mer und in Quiberon. Kein Wunder, denn das Revier ist durch die vorgelagerten Inseln und den Golf de Morbihan äußerst abwechslungsreich. Die größte Insel ist die Belle-Île-en-Mer mit dem interessanten Hafenort Le Palais, über dem die markante Vauban-Festung thront. Während der vordere Teil des Hafens tideabhängig ist, sind die hinteren Liegeplätze durch eine Schleuse geschützt. Von hier aus lässt sich per E-Bike bequem die Insel entdecken, z.B. die felsige Atlantikküste mit ihren hohen Klippen. Nahe des Hafens findet im Sommer jeden Tag ein Markt mit lokalen Produkten statt, selbstverständlich gibt es auch einige gute Restaurants und Crêperien im Ort.
Wenn die Tide stimmt, erwarten Segler auf der Belle-Île auch gute Ankerplätze. Bis zu den kleinen Nachbarinseln im Nordosten ist es nur ein kurzer Schlag. Dort können Sie bei ruhigem Wetter zum Beispiel vor dem herrlichen Sandstrand an der Ostseite der Île d’Houat ankern.

Saint-Malo/Nordbretagne
Saint-Malo ist der wichtigste Hafen der Nordbretagne. Von hier starten viele Segler in Richtung der Kanalinseln, teils in Kombination mit Zielen an der normannischen Küste.
Der große Yachthafen in Saint-Malo liegt auf einer Halbinsel, die man auf einem Rundweg entdecken kann. Vom Hafen aus ist man außerdem in wenigen Minuten in der eindrucksvollen Altstadt. Ein Besuch lohnt sich, von der begehbaren Stadtmauer aus ergeben sich zudem tolle Ausblicke aufs Meer. Gleich gegenüber der Stadt liegt der schöne Badeort Dinard mit seinen Villen im englischen Stil. Um Jahrhundertwende galt es als mondänstes Seebad Frankreichs, gerne besucht von reichen Engländern, die ihre Teestuben, ihre Architektur und Gartenkunst mitbrachten. Es gibt also gleich zu Urlaubsbeginn viel zu entdecken. Eines ist jedoch zu beachten: in diesem Revier bestimmen die Gezeiten den Törn, der Tidenhub kann hier bis zu 12 Meter betragen. Erfahrung und genaue Törnplanung sind hier unbedingt erforderlich. Wer etwas beschaulicher starten will, dem bietet der Fluss Rance einige schöne Törnziele. Hierzu muss man zunächst das älteste Gezeitenkraftwerk der Welt passieren, das unmittelbar südlich von Saint-Malo liegt. Danach lohnt es sich, zum Beispiel Saint-Suliac anzusteuern, das zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt wurde.

Vigo/Spanien
Im Nordwesten Spaniens liegt die Seefahrerstadt Vigo mit ihren weitläufigen Hafenanlagen. In der Stadt gibt es viele gute Restaurants. Besonders für Fischgerichte ist man hier genau richtig, denn Vigo ist einer der wichtigsten Fischereihäfen Europas. In der Region wird außerdem sehr viel Muschelzucht betrieben. Spannend ist daher auch eine geführte Tour zur großen Fischauktion. Auch ein Spaziergang durch die Altstadt und ein Besuch des Monte do Castro lohnen sich. Vom über der Stadt thronenden Festunghügel ergeben sich nicht nur sehr schöne Ausblicke, es gibt dort oben auch einen beliebten, gut gepflegten Park.
Vigo liegt geschützt an der Ria de Vigo, eine der als Rías Baixas bekannten Buchten an der Westküste Galiciens. Diese bilden mit den vorgelagerten Inseln das Segelrevier in dieser Region. Die Inseln gehören zu einem Nationalpark und sind teils unbewohnt, es gibt hier tolle Strände. Insgesamt gibt es in den Rías Baixas eine hohe Dichte an Ankerplätzen und viel zu entdecken.
Der Flughafen Vigo ist nur 15 Kilometer von der Stadt entfernt, die Anreise gestaltet sich dadurch sehr einfach.

Cascais/Portugal
Der Ferienort Cascais liegt ca. 25 Kilometer westlich von Lissabon an der portugiesischen Atlantikküste. Von der Marina aus ist man schnell im schönen Ort, alternativ gelangt man über die lange Promenade zu mehreren kleineren Stränden. Spaziert man hingegen vom Hafen aus nach Westen, ist man in wenigen Minuten an der eindrucksvollen Steilküste, die dem Atlantik zugewandt ist. Hier stehen einige beeindruckende Villen, die davon zeugen, dass Cascais lange ein bevorzugter Urlaubsort der portugiesischen Oberschicht war. Auch internationales Publikum gab es hier schon früh, angezogen unter anderem vom berühmt-berüchtigten Casino im Nachbarort Estoril. Bis heute ist die Marina Cascais regelmäßig Austragungsort internationaler Regatten.
Vom Hafen aus ist auch der Bahnhof bequem zu erreichen, ein Abstecher nach Lissabon ist also kein Problem. Alternativ ist auch direkt ab Lissabon ein Charter möglich. Von beiden Starthäfen aus gibt es die Möglichkeit, die Küste nach Süden entlang bis an die schöne Algarve-Küste als One-Way zu segeln. Das Thema Orcabegegnungen hat im Revier in den letzten Jahren hohe Wellen geschlagen, einen umfangreichen Artikel zum aktuellen Stand finden Sie unter https://skipper.adac.de/ratgeber/orca-begegnungen-verhaltensempfehlungen.

Angra do Heroísmo/Azoren
Die Azoren bedeuten vor allem Natur: grüne Vulkaninseln mit interessanter Flora und Fauna, umgeben von einem artenreichen Meer. Wer rechnet hier mit einer historischen Welterbestadt? Doch Angra do Heroísmo auf der Insel Terceira ist genau das, eine eindrucksvolle Renaissancestadt mit rechtwinkligen Straßen und zentraler Kathedrale. Sie ist die älteste Stadt der Azoren und war über Jahrhunderte ein wichtiger und sicherer Zwischenhalt für Handelsschiffe, zunächst für den portugiesischen Indienhandel, später auch für die Transatlantikroute.
Vom zentral gelegenen Hafen aus spaziert man, immer ein wenig bergauf, an gepflegten Häusern mit blumengeschmückten Balkonen entlang, bis man zum Beispiel den Jardim Duque da Terceira erreicht, eine sehr schöne Gartenanlage auf dem Gelände des ehemaligen Jesuitenkollegs. Auf dem Weg zurück lohnt es sich, einen Blick in die Geschäfte zu werfen und zum Beispiel in der kleinen Konditorei “O Forno” ein paar “Queijadas D. Amélia” einzukaufen, dem traditionellen Gebäck der Insel.
Neben Terceira gibt es auf den Azoren auch Chartermöglichkeiten auf den Inseln Faial und São Miguel.




